Querschnitt durch die Historie der Sankt-Martins-Gesellschaft

Die Gründung der Sankt-Martins-Gesellschaft geht einher mit der Gründung der Karnevalsgesellschaft „Bekömme Dich net drömm“. Wie bereits in der Chronik der KGO erwähnt, war der im Januar 1928 gewählte Elferrat auch der Vorstand der Sankt-Martins-Gesellschaft und somit zuständig für die Durchführung der Oberdreeser Sankt-Martins-Züge.

 
Diese Sankt-Martins-Züge finden alljährlich im November statt, und sogar in den Kriegsjahren 1940 bis 1945 konnte dies beibehalten werden.
 
Eine Übersicht der Personen, die im Laufe der Jahrzehnte als Sankt Martin durch unseren Ort ritten, finden Sie an anderer Stelle.
 
Im Originalprotokoll vom 10. November 1928 wird der erste Sankt-Martins-Zug durch Oberdrees wie folgt beschrieben:
Der erste Sankt-Martins-Zug zu Oberdrees 1928 / Durch den ersten Sankt Martin Friedrich Fuß
Am 10. November abends 6½ bis 7 Uhr zog Sankt Martin auf dem hohen Schimmel von Mitglied Peter Eschweiler zum ersten mal mit Musik und Gesang und Fackeln durch den gezierten Ort Oberdrees. Alt und Jung und alle Ortsvereine waren mit dabei und halfen den Zug verschönern. Beim Wirte Bauerfeind angelangt, marschierte alles am Sankt Martin vorbei und auf den Saal. Dort hielt der Sankt Martin zuerst eine Ansprache, und zwar folgende:
„Am 30. Januar 1928 wurde durch die neu erstarkte Karnevalsgesellschaft auch der erste Martins-Zug gegründet. Preis und Dank sei Gott dafür, aber auch Dank der Gemeindevertretung, die durch ihr Scherflein dazu beigetragen hat.“
Auch dankte Sankt Martin allen anderen, die zur Verschönerung mitgewirkt hatten. Nach dem Danke spielte die Musik zum Schluss das Sankt-Martins-Lied noch, darauf stellte Sankt Martin sich auf zur Verteilung der Martinswecken und gab jedem Kinde aus dem Orte einen Martins-Wecken.
So geschehen am 10. November 1928 abends um 5-7 Uhr
Der Rendant und Schriftführer Sankt Martin
Fuhs, Friedrich
 
Friedrich Fuhs führte von 1928 bis 1932 den Sankt-Martins-Zug an, bevor er im Jahre 1933 von Heinrich Krümmel abgelöst wurde. Dieser hatte das Amt inne bis 1961. Ihm folgte ab 1962 Peter Pommerich.
 
Zu erwähnen ist noch, dass es bis in die 60er Jahre hinein üblich war, dass der Sankt Martin nach Austeilung der Wecken die besten selbstgebastelten Fackeln prämierte. Diese Fackeln waren in der Volksschule unter Aufsicht der Lehrer und als Hausaufgabenstellung zuhause von den Kindern angefertigt worden. Es herrschte immer eine große Spannung, wenn die Frage gestellt wurde: „Wer hat in diesem Jahr die schönsten Fackeln gebastelt?“
 
Im Protokoll der Versammlung vom 28.10.1933 wurde festgehalten, dass „die Losverkäufer für die Sankt-Martins-Tombola als Vergütung 10% des Verkaufswertes erhalten“. Dies war eine Regelung, die heute natürlich keinen Bestand mehr hat. Sie wurde vermutlich getroffen, weil das Geld in jenen Zeiten knapp war und die Losverkäufer durch ihren Einsatz Verdienstausfall hatten.
 
Wenn man die alten und auch neueren Protokolle durchliest, fällt immer wieder der Satz auf: „Der Martinszug wurde in alt hergebrachter Weise abgehalten.“ Im Großen und Ganzen hat sich auch an der Durchführung des Sankt-Martins-Zuges, der anschließenden Weckenverteilung und der Verlosung der Tombolapreise nicht viel geändert. So ist sogar der Ruf „Los verfällt“ fast ein Kultsatz geworden, den jeder, dessen Los nicht gezogen wurde, gern hört. Der Ort ist größer geworden, wodurch wir seit einigen Jahren gezwungen sind, den Zugweg im jährlichen Wechsel aufzuteilen.
 
Doch zunächst in die Vergangenheit. Martin Mertens ritt von 1963 bis 1981 nicht nur als Sankt Martin durch das Dorf, sondern erledigte auch alle Arbeiten rund um das Sankt-Martins-Fest mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit. Eine nette Anekdote: Während des Sankt-Martins-Zuges, in Höhe der Kirche, wurde ganz in der Nähe ein Feuerwerk abgebrannt. Das Pferd scheute und wollte unbedingt durch ein Fenster in das Pfarrhaus eindringen. Mit etwas verrutschtem Bart, schief sitzender Bischofsmütze, aber elegant wie ein Kosak an den Hals des Pferdes geklammert, überstand Martin dieses Abenteuer und setzte unbeirrt seinen Ritt fort.
 
Wenn man heute den Sankt-Martins-Zug beobachtet, kann man zum Glück immer noch feststellen, dass sich alle, die Kleinen und auch die Großen, einfangen lassen von der besonderen Stimmung dieses Abends. Es sind doch noch nicht alle alten Bräuche und Werte von all den modernen, neuzeitlichen und viel zu häufigen Ablenkungen durch z.B. Fernseher, Videofilme, Videospiele etc. überflüssig gemacht worden. Wir werden alles daran setzen, dass der Brauch des Sankt-Martins-Zuges bestehen bleibt.
 
Für das Sankt-Martins-Fest 1982 wurde ein Nachfolger für Martin Mertens gesucht, und wo kann man das am besten? Richtig, an der Theke! Bei einer solchen Gelegenheit, in geselliger Runde, kam Fritz Kalenberg auf eine Idee. Er fragte Jakob Krümmel: „Saach ens, Jakob, denge Vatte hätt doch och de Meate (Sankt Martin) jerödde. Wör dat net et Richtije füe Dich?“ Und so kam es, dass Jakob Krümmel die Nachfolge von Martin Mertens antrat.
 
Diese Sankt-Martins-Tage sind nicht nur für die Kinder und ihre Eltern etwas Besonderes. Auch für die jeweiligen Personen, die den Sankt Martin darstellen, sind sie ein ganz besonderer Tag im Laufe des Jahres. Schon am Morgen macht sich eine gewisse Anspannung bemerkbar, die nachmittags dann darin mündet, dass sich – schon Tradition geworden – ein ganzes Team von Nachbarn und Freunden auf den Weg zu unserem amtierenden Sankt Martin Hubert Lahnstein macht, um ihm beim Anlegen seiner Ritterrüstung behilflich zu sein. Und nur böse Zungen können behaupten, diese Nachbarn wären nur hilfsbereit, weil es ihnen um das Fläschchen Asbach geht, das dabei seiner Bestimmung zugeführt wird.
 
Im letzten Abschnitt erwähnten wir eine Ritterrüstung. Ab dem Jahre 1996 war es nämlich soweit: Die Versammlung der KGO hatte sich nach recht kontroversen Diskussionen mehrheitlich dazu entschlossen, für unseren Sankt Martin ein neues Kostüm anzuschaffen. Anstatt als Bischof reitet er nun im Gewand eines römischen Reitersoldaten durch den Ort. Bei seinem ersten Auftritt in der neuen Uniform waren auch die vorherigen Gegner dieser Idee begeistert.
 
Zum Thema „neue Uniform“ noch ein paar Anmerkungen aus dem Lexikon: Der heilige Martin war der Martin von Tours (Frankreich). Er hat gelebt von 316 bis zum 08.11.397. Drei Jahre diente er im römischen Heer. Er wird dargestellt als Rittergestalt zu Pferd, seinen Mantel für einen Bettler mit dem Schwert zerteilend. Ab 371 war er Bischof von Tours. Er wurde erst viele Jahre nach seinem Tode heilig gesprochen.
 
In besagter KGO-Versammlung wurden etliche, nicht allzu ernst gemeinte Bedenken bezüglich der neuen Uniform unseres Sankt Martins laut. Etwa „Ös dat Pead ejentlich stabil jenoch, öm dä Hubeat möt senge neue, schweare Uniform ze draare? oder „Jetz daasch dä Hubeat nur noch en de Nöh von ene Mölltonn vom Pead falle, sös kütt dä nie mieh do drop!“
 
Jedoch konnten all diese Bedenken ausgeräumt werden, und unser Hubert Lahnstein reitet heute in stolzer römischer Uniform durch unser Dorf.
 
An dieser Stelle möchten wir uns einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die in irgendeiner Weise zum Gelingen dieser Veranstaltungen beigetragen haben und noch immer beitragen. Besonders genannt seien die Darsteller des Sankt Martin, aber auch die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr, die den Zug schützend begleiten, sowie die Lehrpersonen der Grundschulen in Rheinbach, in denen die Oberdreeser Kinder unterrichtet werden. Diese Lehrpersonen lassen es sich Jahr für Jahr nicht nehmen, ihre Schüler und Schülerinnen im Sankt-Martins-Zug zu begleiten. Genau so herzlich bedanken wir uns bei den Kindergärtnerinnen, die mit ihren Schutzbefohlenen am Zug teilnehmen.
 
Bedanken möchten wir uns auch herzlich bei allen, die es uns durch Spenden oder den Kauf von Losen ermöglichen, eine stattliche Anzahl von zurzeit rund 700 Wecken einzukaufen und eine reichhaltige Tombola zusammenzustellen.
 
Die Zahl von 700 Wecken kommt zustande, weil nicht nur die Kinder, sondern z.B. auch die Witwen ehemaliger Vereinsmitglieder einen Wecken erhalten. Darüber hinaus erhalten bestimmte Gruppen für jedes Mitglied einen Wecken, so z.B. die Musikkapellen, die unseren Zug begleiten, die Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen, die während des Zuges auf die Kinder aufpassen, die Mitglieder der Feuerwehr und alle Personen in Oberdrees, die 70 Jahre und älter sind. Das waren im Jahre 2000 immerhin 132 Personen. Einen Wecken erhalten auch alle Oberdreeser Bürgerinnen und Bürger, die krank zuhause sind oder sich gar im Krankenhaus befinden.
 
Auch die Polizeibeamten, die den Zug begleiten, erhalten einen Wecken, und sogar das Pferd, auf dem der Sankt Martin reitet, wird mit 3 Wecken bedacht. Natürlich sind diese Wecken nicht für das Pferd, sondern für die Kinder des Besitzers bestimmt. Als es in einer KG-Versammlung einmal über die Erhöhung des Pachtgeldes für das Pferd ging, sagte Heinz Schneppen trocken: „Dat Pead soll sich zeröckhaale, et kritt ene Weck mieh, on dofüer blieve me beim ahle Priees!“
 
Alle Personen, die 75 Jahre und älter sind, beschenken wir zu Weihnachten mit einem kleinen Präsent. Dieser seit 1963 existierende Brauch ist den Aktivitäten der KGO zuzuschreiben. Lediglich aus praktischen Erwägungen bezüglich der Durchführung ist diese Aufgabe auf die Personen übergegangen, die für die Durchführung des Sankt-Martins-Festes verantwortlich sind.
 
Wir versichern Ihnen allen, dass alle Einnahmen der Sankt-Martins-Gesellschaft in die Durchführung der o.g. Aktivitäten fließen, getreu dem 1928 gefassten Beschluss: „Von den Überschüssen in der Kasse wird nichts vertrunken!“
 
Damit dieser schöne, alte Brauch in seiner gesamten Ausprägung auch in Zukunft erhalten werden kann, bitten wir Sie alle, uns auch weiterhin durch den Kauf von Tombola-Losen oder durch Spenden zu unterstützen.
 
Ihnen allen unseren Gruß und unseren herzlichen Dank für die Unterstützung in der Vergangenheit!
 
Sankt-Martins-Gesellschaft Oberdrees